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Projektbeschrieb

erstellt von Adrian Ochsenbein zuletzt verändert: 03.09.2015 15:05

Ausgangslage

Die Gebirgszüge im hinteren Sihl- und Waagtal, im Einzugsgebiet des Sihlsees, bestehen häufig aus Karbonatgesteinen (Kalke und Kalkmergel) der Kreidezeit. Weite Gebiete sind verkarstet, d.h. es tritt eine teilweise oder vollständige unterirdische Entwässerung auf.
Im Untersuchungsgebiet finden sich neben etlichen, grösseren Höhlen von bis zu 2 km Ganglänge zahlreiche Bachschwinden (Ponore) und Karstquellen. Die unterirdischen Fliessverhältnisse und Einzugsgebiete waren bis anhin noch weitgehend unbekannt und bleiben im Einzelfall nur vage Spekulation. Die Höhlenforscher der Höhlengruppe Ybrig (HGY) und der Ostschweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung (OGH) sind an einer ganzheitlichen höhlenkundlichen Bearbeitung des besagten Gebietes interessiert und haben im Januar 2011 das vorgestellte Projekt lanciert. Dank gezielter Färbeaktionen und umfangreichen Messungen konnten ab 2014 immerhin einige wichtige Flieswege belegt werden.


Die Höhlenforscher der OGH und HGY verwenden modernste Technik. Die Vermessung erfolgt mit einem speziell modifizierten Laser-Messgerät. Die Zeichnung wird direkt vor Ort auf einem PDA erstellt - Foto: A. Schwarz


Projektphase 1

Die Arbeiten zur Projektphase 1 sind seit Januar 2011 am Laufen. Sie umfassen:

  • Literaturrecherche
  • Neukartierung und Weiterforschung der Höhlen
  • Umfangreiche Geländebegehungen mit Erfassung und Beschreibung der speläologischen Grossformen wie Quellen und Ponore
  • Installation verschiedener Messsonden an der Oberfläche sowie in den Höhlen
  • Kleinräumige Tracerversuche zur Bestimmung von Fliesswegen über kürzere Distanzen und zur Messung von Ablussmengen
  • Vorbereitung Wasserfärbung: Finanzierung, Detailplanung, Einholen von Genehmigungen, Suche nach Partnern, Information der Behörden und Bevölkerung vor Ort.

 

Projektphase 2

Die aus der Projektphase 1 gewonnenen Erkenntnisse und Auswertungen bestimmen den weiteren Projektverlauf in einer Phase 2 ab Frühjahr 2014.

  • Wasserfärbung an verschiedenen Eingabestellen (Multitracer-Verfahren) und Beprobung der potenziellen Austrittstellen mittels manueller Probenahme, automatischen Probenehmern  und Passivsammlern
  • Auswertung der Multitracer-Proben, Synthese der Ergebnisse, Verfassung des Ergebnisberichtes


Ziele

Die Untersuchungen haben zum Ziel:

  • das Gebiet höhlenkundlich zu bearbeiten (inkl. geomorphologischer und hydrogeologischer Beschreibung, Vermessung und Darstellung) mit Erstellung eines Inventars
  • die unterirdischen Einzugsgebiete und Wasserwege verschiedener Karstquellen und Höhlen detailliert abzuklären
  • mögliche Verbindungen zu benachbarten unterirdischen Fliessnetzen nachzuweisen (z.B. im vorderen Muotatal)
  • eine Wasserhaushaltsbilanz für die Teilgebiete aufzustellen
  • und die Ergebnisse zu veröffentlichen.


Nutzen für die Öffentlichkeit

Das Projekt Karsthydrologie ist ein wichtiger Beitrag zum Landschafts- und Umweltschutz in der vom Tourismus und der Landwirtschaft geprägten Region Ybrig.
Das resultierende Wissen über die Ausdehnung und die potenzielle Gefährdung dieses bislang kaum genutzten Grundwasservorkommens ist in raumplanerischer Hinsicht wichtig.
In jüngerer Zeit wurden die Auswirkungen auf das Landschaftsbild und die Infrastruktur der vermehrt in der Region auftretenden Hochwasser immer gravierender. Die aus den Studien dieses Projektes gewonnenen Erkenntnisse leisten einen Beitrag zur Prävention solcher Schadensereignisse.


Hochwasser in der Furliwasserhöhle - Foto: N. Hediger

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