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Neuer Riesenschacht auf der Reiteralm!

erstellt von Andreas Dickert zuletzt verändert: 22.09.2015 10:37

Gegend: Das Forschungsziel liegt in dem Karsthochplateau der Reiteralm (Reiteralmkalk auf einer Dolomitschicht), 20km südwestlich von Salzburg. Es gibt nur eine militärisch genutzte Seilbahn hoch, sonst nur Fußwege. Es wird seit 1977 von Mitgliedern der Höhlenforschungsgruppe Kirch­heim/Oberkochen mit wechselnder Intensität erforscht, das größte Objekt ist das Eisrohr-Bammel­schachtsystem (GL 8km, HD -495m), es gibt einige Höhlen jenseits der 300m Tiefe und eine auf 3km er­forschte Quellhöhle. Die tiefsten Höhlen sind der ZE-Schlinger (GL 3000m, HD -595m) und der Auf­reis­ser (GL 1170m, HD -650). Das Plateau ist je zur Hälfte deutsch und österreichisch.

Ziel/Vorgeschichte: Das Forschungsziel liegt im flacheren Nordplateau, das etwa zwischen 1500 und 1700 über dem Meer liegt: Grüner Karst. Die Höhle habe ich am 11.10.2014 bei einer ausgedehnten Such-/Wiederfindungstour gefunden. Am 23.8.2015 konnte ich mit Begleitung von Andy Scheurer und unseren Frauen die Eingangsdoline besichtigen. Ich fand am Boden einer großen Doline von 20m Tiefe zwischen dem Bodenversturz zwei gut befahrbare Fortsetzungen. Hinuntergeworfene Steine ließen einen tiefen, gestuften Schacht vermuten, der Blick mit der Scurion zeigte einen geräumigen Schrägschacht. Auch ein 10m entfernt liegendes Loch entliess Steine mit großem Gepolter in den Hauptschacht. In einer weiteren Tour hatte ich ein 90er-Seil am Eingang deponiert.

Tour: Ich bin aus beruflichen Gründen in der Schweiz und kann so Andy Dickert am Freitag mit nach Rosenheim nehmen. Wir konnten uns einen Kaser (=Almhütte) mieten und haben so die Möglichkeit, die erste Stunde des Aufstiegs mit dem Auto zu verkürzen. Nach 700Hm erreichen wir den Kaser rechtzeitig, um auf der nahe gelegenen DAV-Hütte noch Abend essen zu können.

Am nächsten Tag laufen wir bei zunächst gutem, dann zunehmend verhangenem Wetter zum Schacht­eingang. Der Weg über das Hochplateau ist sehr gut (teils militärisch genutzter Fahrweg) mit kleinem auf/ab. Zuletzt geht es etwas durch den grünen Karst bis wir vor dem Eingang stehen.

Andy beginnt nach Schwierigkeiten mit dem Pocket-PC mit der Vermessung, ich seile zur Doline ab. Ich hatte schon bei der Vortour an beiden Eingängen einen Anker gesetzt und entschieden, dass der westliche Eingang aus Sicherheitsgründen zu verwenden sei. Von diesem musste aber erst eine etwas tiefer liegende Kammer vermessen werden. Ich putze noch den Einstieg und dann geht es hinab. 20m unterhalb setze ich einen Messpunkt und darunter einen Anker. Ich möchte zu einem "Boden" 30m tiefer, aber der stellt sich als Balkon heraus. Aus Sorge, Steinschlag auszulösen, verharrt Andy am Einstieg, aus dem Vermessen wird ab hier nichts mehr. Der zunächst unter ca. 85° fallende Schacht wird nun senkrecht. Ich setze noch 2 Anker, die mich wieder etwas nach Osten bringen und in etwa 90m Gesamttiefe auf ein Sims mit Eis. Ich habe noch 5m Seil übrig. Der Blick hier ist grandios. Der ohnehin schon geräumige Schacht wird noch größer, er scheint sich nach Westen als hoher Canyon fortzusetzen, nach unten geht es aber großzügig runter bei ca. 8x8m Querschnitt. Einen Boden sehe ich nicht wirklich, ein Holzstück poltert gewaltig in die Tiefe. Mehr kann ich dem frierenden Andy nicht zumuten; die Verständigung ist schlecht. Ich steige auf und baue das Seil aus, Karabiner bleiben. Bald bin ich oben und wir ziehen gemeinsam das Seil hoch. Wir bauen auch das Eingangsseil aus und deponieren alles in einem Fass.

Wir schauen noch den anderen Eingang an: er hat in 16m Tiefe eine Stufe, aber Steine fallen viel tiefer. Er wird noch messtechnisch angehängt. Wir gehen zur Hütte zurück zum Abendessen. Beim Rückweg zum Kaser regnet es. Am nächsten Morgen regnet es immer noch, so dass uns nur der Rückzug bleibt. Um 10 Uhr sind wir beim Auto und können nach Schlüsselrückgabe in Wörgl noch Mittagessen. Dann trennen sich unsere Wege nach einer sehr erfolgreichen Tour.

Fazit: Der Schacht konnte auf ca. 90m Tiefe befahren werden, er wird sicher mindestens 150m tief. Ob er dann irgendwann kläglich im Dolomit verkümmert, verstürzt endet oder den lange ersehnten Weg in ein Horizontalsystem in diesem Teil des Plateaus bietet? Für die Weiterforschung sind unerschrockene Schachtforscher mit Vermessungskenntnis gefragt. Steinschlag ist sicher ein Thema, unterhalb des Einstiegs ist der Schacht aber solide.

Thomas Schulzki, Kolbermoor

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