Wo der Wind pfeift und die wilden Kerle wohnen… chinder-lager.ch

14.10.2021

Noch bevor die Sonne aufging, rüsteten sich am Donnerstag, dem 14. Oktober, 29 Kinder und vier Erwachsene im Ferienhaus Höhe in Wildhaus für einen besonderen Tag.

Im Zusammenhang mit dem Internationalen Jahr für Höhlen und Karst 2021/2022 durften die Teilnehmer/-innen und Leiter/-innen des Herbstlagers von chinder-lager.ch einen kleinen Teil der unterirdischen Welt ob Wildhaus erkunden.

Kurz bevor es endlich los ging, sassen die Kinder erwartungsvoll in Reih und Glied vor dem Team der Höhlenforscher und hörten gespannt zu. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie bereits die Klettergurte festgezurrt, ihren Rucksack mit Gamelle, Trinkflasche und Ersatzkleidern geschultert und die Handschuhe griffbereit. Den Helm samt Lampe trugen sie auf dem Kopf oder unter dem Arm. Voll bepackt stiegen die ersten dann in den Bus. 20 Minuten Fussmarsch durch den Schnee, dafür konnten auch die Nachzügler ein gutes Stück gefahren werden – das war der Deal. Dass der Herbst uns einen ersten Vorgeschmack des Winters bot, war für einige bereits das erste Highlight.

Nachdem die gesamte Gruppe am Ausgangspunkt für die Höhlenbesichtigung eingetroffen war, erläuterte Stefan die atemberaubende Kulisse der Churfirsten und des Alpsteingebirges. Selbstverständlich fehlte auch eine geologische und geschichtliche Einführung in Karsthöhlen nicht. Heute sollten alle auf ihre Kosten kommen. Während sich die einen mit der Durchquerung des Wildmannli vorsichtig herantasteten, stiegen die anderen noch vor dem Mittagessen ins Windloch ab.  

Letzteres macht seinem Namen aufgrund des Temperaturunterschiedes zwischen drinnen und draussen alle Ehre. Denn dieser erzeugt tatsächlich einen Luftstrom. Ansonsten ist der Eingang gut in die Landschaft eingebettet. Auch der Fuchs weiss dieses Loch im Hang als Zufluchtsort zu schätzen. Zumindest hat er sich hier in einer Ecke eingenistet, mitunter um sein Geschäft zu verrichten, wie die Hinterlassenschaften nahelegen. Ein paar Schritte weiter hiess es: Abseilen! Für einige war es das erste Mal, das Warten erhöhte die Nervosität noch zusätzlich. Danach ging es ungesichert weiter, doch an ein schnelles Vorankommen war im immer enger werdenden Gang nicht zu denken. Die Felsdecke war stellenweise so niedrig, dass man kriechen musste. Auf dem Rückweg noch kurz ein Abstecher in ein, zwei spezielle Abzweigungen – das Zeitgefühl leidet unter Tage.

Die zweite Höhle ist insgesamt zugänglicher, sodass sie mehr oder weniger aufrecht betreten werden kann. Doch was die ersten Meter wohl kaum erahnen liessen: Der Wilde Mann beherbergte in seinem Bauch einen schlammigen See. So wurde die Kriechpartie am Schluss dann doch noch eine ziemlich matschige Angelegenheit. Das Tageslicht offenbarte denn auch dementsprechend beschmierte und nasse Kleider. Manch eine/-r musste später am Feuer die Zehen aufwärmen oder die Schuhe und Socken trocknen. Dennoch war diese Tour am Ende schneller geschafft. Die Rückkehrer aus dem Windloch wurden sehnlichst erwartet.

Nach der wohlverdienten heissen Suppe kam wieder etwas Bewegung in die Gruppe. Doch nicht alle wollten ihren Platz am Feuer aufgeben. Viele hatten von den Höhlen genug gesehen. Ein paar wenige waren nach dem Wildmannli neugierig auf das Windloch geworden – und einige hatten von Letzterem noch nicht genug bekommen. Derweil wollten es zwei Mädchen wissen und statteten dem Wildmannli einen zweiten Besuch ab – zurück kamen sie als glücklich strahlende Schlammköniginnen.

So ging ein sagenhaftes Abenteuer zu Ende, das bei allen einen bleibenden Eindruck hinterliess. Für dieses unvergessliche Erlebnis bedanken wir uns herzlich bei der Schweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung und deren regionalen Sektionen Ostschweizerische Gesellschaft für Höhlenforschung und Toggenburger Gesellschaft für Höhlenforschung.

Mären – Saison 2021

01.10.2021

Bereits mit dem Ende der letzten Saison sahen wir dem Forschungsbeginn 2021 gespannt entgegen. Es bewegte uns die Frage, ob es dieses Jahr gelingen würde, durch die Eis- und Schneereste in den Schächten des Schneetöpfli zu dringen und darunter vielleicht den Zugang in ein grösseres System zu finden.

Dieses Jahr sollten drei Termine durchgeführt werden, jeweils ein verlängertes Wochenende in den Monaten August bis Oktober. Das Plateau des Mären liegt auf etwa 2300 m Höhe, wo das Wetter die Termine prägt. Es muss schon mal ein Wochenende kurzfristig um den Freitag oder Montag gekürzt werden. Bei einer Vortour bestätigte die Schneesituation in den Spalten und Schächten des Mären den diesjärigen Start im August.

Der Mären liegt hinter Muotathal am Ende des Bisistals. Der Weg führt mit der Seilbahn von Sahli (1147 m) aus hoch zur Glattalp (1850 m) und von dort über einen blauen Wanderweg Richtung Urnerboden hinauf auf’s Märenplateau – mit Aussicht auf Mythen und Silberen, Tödi und Clariden und mit Ortstock und den Schächentaler Windgällen in der Nachbarschaft.

Für die verlängerten Wochenenden mit zwei oder drei Nächten sind wir auf Biwakleben eingestellt. Die Ansprüche der 5 bis 6 Teilnehmer sind bescheiden – abends satt in den Schlaf- und Biwaksack und dann eine trockene, ruhige Nacht. Wenn die Tage auch noch sonnig sind, sich die Milchstrasse nachts funkelnd über uns hinwegdreht und die ein oder andere Sternschnuppe die Phantasie anregt – ja, dann macht sich auch zwischen den Touren unter Tage Zufriedenheit breit. Es gibt solche Tage, aber auch andere …

Zwei Höhlenobjekte standen dieses Jahr im Fokus. Das Schneeloch und das Schneetöpfli. Beide Schachthöhlen machten schon vor Jahren durch Blaslöcher im Schnee auf sich aufmerksam.

Das Schneetöpfli ist ein versteckter Schacht, der durch seine Enge im Eingangsbereich viel Eis und Schnee in den darunterliegenden Schachtstufen wie in einem Kühlschrank bewahrt hatte. Eine einfache Abdeckung der Eingangsspalte in den vergangenen Wintern hat die Neuschneezufuhr in den Schacht verringert. Dadurch reduzierte sich Eis und Schnee von Jahr zu Jahr – vollständig verschlossene Schachtabschnitte wurden so frei und weiter zugänglich. Im Laufe dieser Saison wurden zu den bestehenden Seilen weitere eingebaut und Engstellen freigeräumt. Am Ende konnten wir bis auf -110 m Tiefe absteigen und – manchmal frei hängend – die Schachtverläufe und Tiefen vermessen.

Das Schneeloch ist ein offener Schacht, der von oben in eine Halle mündet. Seine Besonderheit sind reichlich vorhandene Tierknochen verschiedener Säugetiere und Vögel, aber auch die feinen Knochen und grazilen Schädel von Fledermäusen sind in verschiedenen Bereichen der Höhle zu finden. 2021 wurde die Höhle in allen Bereichen neuerlich sorgfältig auch nach kleineren Knochen abgesucht und deren Positionen im Blockwerk der Höhle mit  Vermessungselektronik und Android Tablet aufgenommen und dokumentiert. Diesem ersten Schritt soll in der nächsten Saison eine fachkundige Untersuchung der Knochen folgen.

Das Wetter zeigte sich während der drei Aufenthalte nicht immer von seiner Zuckerseite. Ein vorbeiziehendes Gewitter brachte uns um etliche Stunden Schlaf und ein starker Föhn reduzierte einmal die Nachtruhe auf ein Minimum.

In der Nacht auf den 16. August zog eine Gewitterzelle mit einem von Blitzen durchzuckten Wolkenturm über die Mythen heran und liess den Sternenhimmel über uns immer weniger werden. Nachdem wir schon vorbereitet waren, uns in eine nahegelegene Felsspalte als Notbiwak zurückzuziehen, bewegte sich die Gewitterzelle doch noch nördlich am Mären vorüber. Der Regen im Morgengrauen danach und das eindrückliche Schauspiel der Nacht hatte uns alle etwas demütig werden lassen.

Ein Föhnwind baute sich im Laufe der Nacht des 3. Oktober auf, liess die Biwaksäcke die ganze Nacht flattern und uns keinen richtigen Schlaf finden. Als wir auch am Morgen noch Acht geben mussten, dass keine Ausrüstung einfach davonfliegt oder eine der Windböen uns umwirft, zogen wir uns zum Ende dieser Saison doch noch erstmalig für’s Frühstück ins Notbiwak zurück.

Die Saison 2021 wird uns trotzdem gut in Erinnerung bleiben, sind wir doch im Schneeloch und Schneetöpfli einige gute Schritte und einige Meter Neuland vorangekommen. Die Nächte im Föhn und am Rande des Gewitters werden wir im Gedächtnis behalten und mit diesen Erfahrungen in die Saison 2022 gehen.

Bei der Höhlenforschung am Mären wirken seit einigen Jahren beständig Teilnehmer des DAV aus der Höhlengruppe der Sektion Heidelberg vielseitig und tatkräftig mit. Diesem Engagement ist in den vergangenen Jahren ein wesentlicher Beitrag zur Höhlenforschung auf dem Mären zu verdanken.

Text: Th. Huber

ANYmal-Roboter gewinnt die DARPA Challenge

ANYmal Roboter gewinnt die Subterranean Challenge in Louisville, Kentucky

26.09.2021

Viermal war das Team des Robotics Systems Lab der ETH im Bergwerk Seemühle in Walenstadt, um ihre ANYmal Roboter und Drohnen zu testen.
In Zusammenarbeit mit 6 anderen Forschungsteams aus der Schweiz, USA und Norwegen beteiligten sie sich als Team Cerberus vom 21. bis 24. September an der DARPA Subterranean Challenge in Louisville, Kentucky.
https://subtchallenge.com/gallery.html

Das Cerberus Team konnte sich gegen 7 andere internationale Teams durchsetzen und gewann den mit 2 Mio $ dotierten 1. Preis.
Die Aufgabe bestand darin, ein unbekanntes unterirdisches Gelände zu erkunden, gleichzeit in 3D zu kartografieren und verschiedene Gegenstände (Rucksack, Helm, Feuerlöscher, eine Puppe in Menschengrösse, usw.) zu finden.

Wir sind gespannt, wie diese Technologie weitergeht und ob wir Höhlenforscher auch eines Tages davon profitieren werden?

Text: P. Schoch
Bild: ETH, ANYbotics

Mehr Bilder zum Projekt –> 2021 –> ANYmal

IYCK – Ein Erlebnisbericht aus dem Seichbergloch

08.09.2021:

Ein gewöhnlicher Donnerstag in den Sommerferien? Mitnichten! Am 29. Juli 2021 starteten die knapp unter 30 Teilnehmer/-innen des Sommerlagers von chinder-lager.ch mit vielen Erwartungen in den Tag. Schon am Vorabend haben sich in den Köpfen der Kinder die Vorstellungen gefestigt, hatte doch ein kleiner Exkurs darüber, was uns erwarten dürfte, rege Fantasien geweckt. Briefkastenschlitz…

Der Höhlenbesuch im Seichbergloch war eine einzigartige Gelegenheit im Rahmen des Internationalen Jahres für Höhlen und Karst (IYCK). So wurden wir von Spezialisten geführt und begleitet. Beteiligt waren Mitglieder der Schweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung SGH, der Ostschweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung OGH und der Toggenburger Gesellschaft für Höhlenforschung. An dieser Stelle möchte sich das Leiterteam von chinder-lager.ch herzlich bei ihnen bedanken.

Bevor es endlich losging, wurde die Ausrüstung bereitgelegt und anprobiert. Dazu gehörten Helme, Helm- oder Stirnlampen, passendes Schuhwerk, robuste Kleidung, Wechselkleider, Klettergurte und Handschuhe. Dann wurde das Kommando den Profis übergeben.

Der Aufstieg vom Ferienhaus Höhe in Wildhaus aus war genau das, was das Wort verrät, und nicht eben mal ein Katzensprung. Dabei trug jeder seinen Klettergurt, den Helm, die Ersatzkleidung und den Lunch selbst. Schweisstreibend war die kurze Wanderung allemal. Immerhin bestand wenige hundert Meter vor dem Einstieg noch einmal die Möglichkeit, zu verschnaufen und sich zu stärken. Derweil zogen sich die Mitglieder der SGH um und auch die Teilnehmer/-innen machten sich bereit, schlüpften in die Klettergurte und Handschuhe. Allerdings: Weit und breit kein Anzeichen einer Höhle… Stattdessen muteten die letzten Schritte ein wenig wie Urwald an. Tatsächlich folgten wir den Experten über Wurzeln und durch Dornengestrüpp. Plötzlich war da ein Loch im Boden, mit einem Stahlgitter davor: Einige hatten sich den Eingang zur Höhle wohl anders vorgestellt. Nun war die Ungeduld förmlich zu greifen, während die Profis die Seilsicherung vorbereiteten. Einer nach dem anderen stieg dann, am Seil gesichert, hinab in die Tiefe.  In der nächsten Etappe gab es ohne Abseilen kein Weiterkommen. Wenn auch einige Kinder schon Erfahrung damit hatten, war es für viele das allererste Mal. Das darauffolgende Stück konnte wieder ungesichert bewältigt werden, erforderte aber Mut. Auch hier war Geduld gefordert, denn es ging nur langsam voran, tröpfchenweise. Danach bewegten wir uns bis zur nächsten Schlüsselstelle mehr oder weniger selbständig, aber alle in ihrem Tempo, vorwärts. Wenigstens ging es abwärts – und wie! Nun ja, hinunter kommt man immer, aber hinauf…?

Irgendwann tat sich links um die Ecke eine Art Halle auf. Wer weiter wollte, musste sich unweigerlich den berüchtigten Briefkastenschlitz von innen anschauen… Wobei man genaugenommen gar nichts sah! Gut zuhören und die Anleitungen des Profis befolgen war hier die Devise. Daran konnten weder die verbal geäusserten Horrorvorstellungen auf der einen, noch die ermutigenden Sätze auf der anderen Seite etwas ändern. Kurz nach dieser Passage mussten wir auch schon wieder umkehren, um rechtzeitig noch den Ausstieg zu schaffen. Nach einem Lunch in der Fledermaushalle oberhalb des Briefkastenschlitzes wurden die letzten (und meisten) positiven Höhenmeter bewältigt, bis einen schliesslich das Tageslicht blendete.

Auf dem Rückweg zum Lagerhaus war Zeit, sich das soeben Erlebte durch den Kopf gehen zu lassen. Am Ende waren sich alle einig, dass jeder und jede sein oder ihr individuelles kleines Abenteuer erlebt hat. Und als solches wird es sicher noch lange in lebhafter Erinnerung bleiben.

Text & Foto: Dani Eggenberger, chinder-lager.ch

Forschungslager Wägital 2021

29.08.2021:

Während der diesjährigen Forschungswoche vom 7.-13. August profitierten wir von häufig besten Wetterverhältnissen. Tatsächlich wurden wir nicht einmal verschifft, hatten dafür gegen Ende des Lagers eher mit der Hitze zu kämpfen!

Der einzige Regentag wurde für eine weitere Grabaktion in der Lufthüttenhöhle genutzt. Dank dem Einsatz eines Akku-Bohrmeissels kommt man nun recht flott vorwärts. Das macht die Sache einerseits effizienter, ist auf der anderen Seite für die Akteure aber auch deutlich anstrengender, da ganz einfach viel mehr Masse bewegt wird.

Im Karrenfeld wurde eine erstaunlich grosse Fläche prospektiert. In diesem Kontext blieben die gefundenen Objekte eher unter den Erwartungen. Immerhin werden 12 kleinere Objekte und 1 Mittelhöhle neu Einzug im CH-Archiv finden. Abgeschlossen wurde weiter der Bermudaschacht, der wohl nur dank der extrem regenreichen Sommerzeit dieses Jahr wieder passierbar war (Schneestand). Auch hier hatten wir auf eine spannende Fortsetzung gehofft. Gleichwohl bleibt das Objekt mit 268 m Länge und 93 m Tiefe das bislang grösste im Karrenfeld Mutteri-Ochsenkopf.

Probleme hatten wir mit der Oberflächenvermessung bzw. nicht recht funktionierenden DistoX und einer Herde durstiger Rinder, die am letzten Abend das Lufthüttli belagerten. Zum weiteren Rahmenprogramm zählten die Einführung einer ausgedehnten Apéro-Runde, Sternschnuppen-Gucken, selbstgebackenes Brot und die Kreation einer Ausrüstung ‚Speleo Light‘ (Bilder zensuriert😉).

Text: Andy Dickert

Forschungslager Zwinglipass 2021

08.08.2021:

Im Winter ist auch in diesem Jahr wieder viel Schnee auf dem Zwinglipass gefallen und durch den kühlen Frühling kam es, dass auch in diesem Juli auf 2000 m.ü.M. noch viel Schnee lag. Trotzdem nahmen 9 Höhlenforschende vom 17. – 23. Juli am Zwinglipasslager teil.

Ziel des Lagers waren die weitere Erforschung der Schneehöhle, der Höhle D11 und der Höhle am Altmann Westgrat (A1). Das D11 war allerdings noch unter einer rund 5 m dicken Schneedecke und nicht zugänglich. Dafür wurde das D10 wieder ins Auge gefasst. Dieses Jahr gelang es, die Engstelle im D10 zu überwinden, um danach nach einer Schachtstufe in einer weiteren
Engstelle hängen zu bleiben. Doch auch hier ergab sich schliesslich eine sehr vielversprechende Fortsetzung, welche aber erst im nächsten Jahr weiter erforscht wird.

Aufgrund der grossen Niederschläge der vorangegangenen Woche bestand die Gefahr, dass sich in der Schneehöhle wiederum ein See gebildet hat, welcher die weitere Erforschung verhindert hätte. Glücklicherweise war kein See vorhanden und so konnte die Fortsetzung im «kalten Gang» und in diversen Schloten weiter erforscht werden. Erstaunlicherweise war in der Schneehöhle in diesem Winter neues Eis entstanden, welches die Begehung erschwerte. Die Fortsetzungen konnten bis Ende des Lagers fertig vermessen werden, womit die Erforschung dieser Höhle wohl nächstes Jahr abgeschlossen sein wird.

Die Höhle am Altmann-Westgrat (A1) wurde vor rund 14 Jahren bereits teilweise erforscht. Das A1 verläuft entlang einer imposanten Schichtfuge. Die Erforschung konnte bis an den damaligen Punkt erfolgen und danach konnten weitere Schächte eingerichtet und erforscht werden.
In einem preathischen Teil stehen weitere, aber bedeutend engere Fortsetzungen an.

Im Lager konnten trotz des Schnees schliesslich interessante Fortsetzungen entdeckt und weitere Vermessungsarbeiten durchgeführt werden.

Text: Rolf Sorg

René Scherrer – 60 Jahre Vereinsmitgliedschaft!

08.07.2021:

Insgesamt über 40 Personen versammelten sich anlässlich des letzten Monatshöcks zu Ehren von René Scherrer und seiner 60-jährigen Mitgliedschaft!

Nachdem der sehnlichst erwartete und versprochene René-Scherrer-Apéro mehrmals aufgrund der Pandemie verschoben werden musste, konnten wir ihn am vergangenen 7. Juli mit einigermassen gutem Gewissen und an der frischen Luft organisieren.

1961 trat René dem Verein OGH bei und bekleidete praktisch seit Beginn bis heute mehrere Ämter! 60 Jahre Mitgliedschaft und vor allem 60 Jahre Tätigkeit für den Verein: Dies ist etwas, was man wohl weitherum suchen muss in der Schweizer Vereinslandschaft!
René hat im Laufe seiner Mitgliedschaft folgende Ämter bekleidet (z.T. mehrere gleichzeitig):
– Sekretär: 1961 – 1973 = 12 JahreRené Scherrer – 60 Jahre Vereinsmitgliedschaft!
– Redaktion Höhlenpost: 1962 – 1999 = 37 Jahre
– Materialverwalter: 1963 – 1989 = 26 Jahre
– Präsident: 1973 – 2003 = 30 Jahre
– Administration Höhlenpost: 2003 – heute! = 18 Jahre
– Redaktion Höhlenpost: 2004 – 2005 = 1 Jahr
– Höhlenschutzbeauftragter: 2010 – 2011 = 1 Jahr

Seit 2007 ist René zusätzlich Ehrenpräsident der OGH.

Zusammengezählt ergibt dies 125 Mannsjahre an Vereinsämter!!! Das ist und wird wohl auch in der Geschichte der OGH einzigartig bleiben.
René Scherrer ist im Verlauf der vielen Jahre ein Vereinsvater der OGH geworden. Mit seiner Art hat er es geschafft, die Leute nicht zu polarisieren, sondern die verschiedensten Menschen und Ansichten zusammenzubringen und das Vereinsleben aufrecht zu erhalten. René hat es aber auch geschafft, sich den wandelnden Zeiten anzupassen und verbringt dementsprechend viel Zeit am Computer.
Sein unglaubliches Engagement hat sicher viel dazu beigetragen, den Verein derart gross und zur eigentlichen Referenz in der Ostschweiz werden zu lassen.

Natürlich war René Scherrer nebenbei auch für den SGH-Dachverband aktiv! So war er unter anderem ab 1986 während 6 Jahren Zentralpräsident der SGH und wurde 2006 zum Ehrenpräsidenten der SGH auf Lebzeiten ernannt. Und noch heute fungiert René als informatives Bindeglied zwischen der SGH und der FSE, respektive der UIS. Aber auch die Beziehungen zu den unmittelbaren Nachbarn waren für René stets ein wichtiges Anliegen. So ist René derzeit bei verschiedenen Höhlenvereinen Aktivmitglied und ein konstanter und gern gesehener Gast an deren Versammlungen.

René trotzt unermüdlich dem natürlichen Alterungsprozess und überstand mit Beharrlichkeit mehrere gesundheitliche Komplikationen. Ich wünsche René weiterhin eine robuste Gesundheit und viel Freude an unserer gemeinsamen Leidenschaft!

Text: Stephan Billeter / Bild: Thomas Huber

Schulwoche auf dem Zwinglipass vom 14. bis 19. Juni 2021

20.06.2021:

Der SAC – Toggenburg feierte letztes Jahr ein doppeltes Jubiläum: Vor 50 Jahren wurde die Zwinglipasshütte eingeweiht und die SAC-Sektion Toggenburg wurde vor 150 Jahren gegründet.

Diese Anlässe bewogen den Vorstand, 5 Schulklassen für 2 Tage auf die Hütte einzuladen. Geboten wurden den rund 150 Kindern und Begleitpersonen (5. und 6.Klasse) ein naturnahes Programm. Toni Grob zeigte auf einer Rundwanderung den Kindern die Tiere, die auf 2000 m heimisch sind. Von Schneehuhn, Murmeltier, Steinbock, Gemse bis zur Kreuzotter konnten die Tiere von Nah oder aus der Ferne beobachtet werden. Willi Schönenberger erklärte die Entstehung des Alpsteins.

Vorgesehen war, dass Roland Lutz, Rolf Sog und Richard Graf den Kindern eine Höhle im Zwinglipassgebiet zeigen. Doch ein Störfaktor verhinderte das Vorhaben.

Weil dieses Jahr bis in den Mai hinein die Schneefallgrenze oft unter 2000 m lag, waren die Höhleneingänge mit Schnee verschlossen. Einzig zwei kleine Schächte waren offen. So mussten wir den Kindern mit Theorie und praktischen Übungen die Höhlenforschung erklären. Interessiert hörten sie zu, wie Höhlen entstehen und was in den unterirdischen Räumen und Gängen gefunden wird. Erstaunt nahmen sie zur Kenntnis, dass unter unseren Füssen Hohlräume vorhanden sind, in denen ein Einfamilienhaus Platz hätte. Fragen zu den Höhlen wurden gestellt und so ging die Zeit schnell vorbei.

Der Schnee schmolz dank des schönen Wetters recht stark und der Eingangsbereich des F10 öffnete sich. So konnten ab Donnerstag die Kinder etwas Höhenluft schnuppern.

Das Jubiläum des SAC Toggenburg, mit dem wir eine sehr gute Beziehung pflegen, und das Internationale Jahr für Höhlen und Karst waren für uns Grund genug, diesen Anlass zu unterstützen.

chinder-lager.ch – Teil 1

29.04.2021:

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit zum Internationalen Jahr für Höhlen und Karst “IYCK” und im Sinne der langfristigen Nachwuchsförderung startete am Mittwoch, dem 28. April, eine erfreuliche Zusammenarbeit mit “chinder-lager.ch”. Diese Institution organisiert seit über 20 Jahren verschiedenste Aktivitäten für Kinder und Jugendliche.

Dem Start wurden allerdings vorerst unzählige Hindernisse in den Weg gelegt: Nachdem das Frühjahr mit rekordhohen Temperaturen und Sonnenscheindauer aufwartete, erschien es den Kennern der Region als durchaus möglich, dass Ende April die Schneemengen grösstenteils weggeschmolzen sein dürften. Hingegen folgte ein wiederum nasskalter März, welcher die Hoffnungen zunehmend schwinden liess, dass im Bereich der Strichbodenalp auf über 1600 m ü.M. ein akzeptabler Anmarschweg für Schulkinder freigeschmolzen sein dürfte. Also wurde als Ausweichaktion das Seichbergloch zur Zieldestination erklärt. Aufgrund der Pandemie und der infolgedessen aubleibenden Touristenströme starteten die Wildhauser Bergbahnen eine gründliche Revision ihrer Anlagen und verschoben den Start des Sommerbetriebs auf Mitte Juni. Also wurde wiederum umgeplant, dass anstelle der Fahrt bis zur Gamsalp und dem üblichen Abstieg zum Höhleneingang die rund 320 Höhenmeter bergauf den Kindern durchaus zuzumuten sind. Auf den schattigen Nordhängen erwiesen sich jedoch die Schneemengen als ziemlich resistent, was einen Aufstieg durch matschign Tiefschnee versprach. Natürlich änderten sich auch die Wetterprognosen von anfänglich konstant schönem Wetter zu Dauerregen bei Temperaturen im einstelligen Plusbereich. Als Begleiter seitens der Höhlenforscher erklärte sich innert kürzester Zeit ein motiviertes Team aus lokalen Forschern der TGH und der OGH bereit zur Betreuung und Höhlenbegleitung der Kinderschar. Wenige Tage vor dem Start folgte dann jedoch Schlag auf Schlag: Alle (!) lokalen Forscher mussten sich aufgrund von Infektionen und Quarantäne vom Projekt zurückziehen.

Nach all diesen widrigen Umständen musste komplett umdisponiert werden: Peter Schoch brachte letztlich die allwettertaugliche Besuchsvariante der beiden Bergwerke Lochezen-Seemühle in Walenstadt – und dies wurde dann auch ein bleibend positives Erlebnis wohl für alle Teilnehmenden!

Per fahrender Schuhschachtel in Form eines Mercedes Sprinter-Schulbusses mit 30 Plätzen fuhren wir innert 45′ von Wildhaus nach Walenstadt. Glücklicherweise wurde im Schulbus niemandem ernsthaft schlecht und so konnten wir mit bloss 15-minütiger Verspätung die allgemeinen Erklärungen und den Anmarsch zum untersten Eingang des Bergwerkes starten. Es erwies sich als logistisch erfolgreich, dass wir innerhalb des Bergwerkes in kleineren Gruppen mit kurzen Abständen und durch Funkgeräte verbunden unterwegs waren. Peter und ich waren positiv beeindruckt von den 25 Kindern: Sie konnten zuhören, mitdenken, Erfahrungen teilen, sammelten begeistert etliche besonderen Steine und spähten interessiert in die dunklen Winkel und Fortsetzungen des Bergwerkes. Zum relativ späten Mittagessen verfeuerten wir die wenigen Holzresten in der Nähe des Rastplatzes mit atemberaubender Aussicht auf den Walensee und machten uns alsbald an den Abstieg zur grossen und eindrücklichen Baustelle der Firma Geobrugg, welche auf eindrückliche Weise auf diesem Areal die Sicherheit von Steinschlag-Schutznetzen erarbeitet.

Mehr als die Hälfte der Kinder zeigte sich nach wie vor noch nicht gesättigt von den Eindrücken und besuchte noch den gewaltigen Steinbrecher, welcher seinerzeit metergrosse Felsbrocken zu Kies zermalmte.

Nach einer wiederum erbrechfreien Fahrt erreichten wir um ca. 18.30 Uhr das Lagerhaus.

Der grösste Dank geht hier an Peter Schoch für seine umsichtige und kompetente Führung! Ebenfalls möchte ich dem ganzen Leiterteam danken, insbesondere auch für die Flexibilität bezüglich andauernder Anpassung des Programmes.

Und hier folgen noch einige interessante Links:

–> Der Weltrekord, 25 Tonnen aus 42 Meter Höhe (inklusive Vorarbeiten): https://youtu.be/Ix_DGYT2M3I

–> Ein Bericht vom Spiegel zum Weltrekord: https://www.youtube.com/watch?v=jz96-ayeulc

–> Die Versuchsanlage im Allgemeinen: https://www.youtube.com/watch?v=ywipGiTJt7Y

–> Künstlerische Momente aus dem Bergwerk, eingefangen von Nicole Wächter:

https://www.seacurrent.ch/lostplaces/

“Young Rangers” der Greifensee-Stiftung

«Young Rangers» des Greifensee Stiftung

24.04.2021:

Richi Graf und Stephan Billeter führten am Samstag, dem 17. April eine Aktion im Sinne der Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen des IYCK durch für die “Young Rangers” der Greifensee Stiftung. Wir besuchten zusammen zwei Zürcher Oberländer Kleinhöhlen und waren beide beindruckt von der Bereitschaft der Jugendlichen zur Aufnahme und zum Mitdenken. Die Arbeit der Rangers ist ausserordentlich vielfältig und die Arbeit mit den Kindern/Jugendlichen unterhaltsam, nachhaltig und präventiv im Sinne des Naturschutzes.

Im Gegenzug sind ca. 15 Höhlenforscher der OGH eingeladen im Rahmen einer ca. 90-minütigen «Lügentour» Wissenswertes über das Naturschutzgebiet des Greifensees auf unterhaltsame Weise zu erfahren. Interessenten melden sich bitte bei Stephan Billeter, sodass wir zusammen mit den Rangers einen Termin vereinbaren können.

Blog der Young Rangers