Bereits mit dem Ende der letzten Saison sahen wir dem Forschungsbeginn 2021 gespannt entgegen. Es bewegte uns die Frage, ob es dieses Jahr gelingen würde, durch die Eis- und Schneereste in den Schächten des Schneetöpfli zu dringen und darunter vielleicht den Zugang in ein größeres System zu finden.

Dieses Jahr sollten drei Termine durchführt werden, jeweils ein verlängertes Wochenende in den Monaten August bis Oktober. Das Plateau des Mären liegt auf etwa 2300m Höhe, wo das Wetter die Termine prägt. Es muss schon mal ein Wochenende kurzfristig um den Freitag oder Montag gekürzt werden. Bei einer Vortour bestätigte die Schneesituation in den Spalten und Schächten des Mären den diesjärigen Start im August.

Der Mären liegt hinter Moutathal am Ende des Bisistals. Der Weg führt mit der Seilbahn von Sahli (1147m) aus hoch zur Glattalp (1850m) und von dort über einen Blauen Wanderweg Richtung Urnerboden hinauf auf’s Märenplateau – mit Aussicht auf Mythen und Silberen, Tödi und Clariden und mit Ortstock und den Schächentaler Windgällen in der Nachbarschaft.

Für die verlängerten Wochenenden mit zwei oder drei Nächten sind wir auf Biwakleben eingestellt. Die Ansprüche der 5 bis 6 Teilnehmer sind bescheiden – abends satt in den Schlaf- und Biwaksack und dann eine trockene, ruhige Nacht. Wenn die Tage auch noch sonnig sind, sich die Milchstrasse nachts funkelnd über uns hinwegdreht und die ein oder andere Sternschnuppe die Phantasie anregt – ja, dann macht sich auch zwischen den Touren unter Tage Zufriedenheit breit. Es gibt solche Tage, aber auch andere …

Zwei Höhlenobjekte standen dieses Jahr im Fokus. Das Schneeloch und das Schneetöpfli. Beide Schachthöhlen machten schon vor Jahren durch Blaslöcher im Schnee auf sich aufmerksam.

Das Schneetöpfli ist ein versteckter Schacht, der durch seine Enge im Eingangsbereich viel Eis und Schnee in den darunterliegenden Schachtstufen wie in einem Kühlschrank bewahrt hatte. Eine einfache Abdeckung der Eingangsspalte in den vergangenen Wintern hat die Neuschneezufuhr in den Schacht verringert. Dadurch reduzierte sich Eis und Schnee von Jahr zu Jahr – vollständig verschlossene Schachtabschnitte wurden so frei und weiter zugänglich. Im Laufe dieser Saison wurden zu den bestehenden  Seilen weitere eingebaute und Engstellen freigeräumt. Am Ende konnten wir bis auf 110m Tiefe abgestiegen und – manchmal frei hängend – die Schachtverläufe und Tiefen vermessen.

Das Schneeloch ist ein offener Schacht, der von oben in eine Halle mündet. Seine Besonderheit sind reichlich vorhandene Tierknochen verschiedener Säugetiere und Vögel, aber auch die feinen Knochen und grazilen Schädel von Fledermäusen sind in verschiedenen Bereichen der Höhle zu finden. 2021 wurde die Höhle in allen Bereichen neuerlich sorgfältig auch nach kleineren Knochen abgesucht und deren Positionen im Blockwerk der Höhle mit  Vermessungselektronik und Android Tablet aufgenommen und dokumentiert. Diesem ersten Schritt soll in der nächsten Saison eine fachkundige Untersuchung der Knochen folgen.

Das Wetter zeigte sich während der drei Aufenthalte nicht immer von seiner Zuckerseite. Ein vorbeiziehendes Gewitter brachte uns um etliche Stunden Schlaf und ein starker Föhn reduzierte einmal die Nachtruhe auf ein Minimum.

In der Nacht auf den 16. August zog eine Gewitterzelle mit einem von Blitzen durchzuckten Wolkenturm über die Mythen heran und lies den Sternenhimmel über uns immer weniger werden. Nachdem wir schon vorbereitet waren, uns in eine nahegelegene Felsspalte als Notbiwak zurückzuziehen, bewegte sich die Gewitterzelle doch noch nördlich am Mären vorüber. Der Regen im Morgengrauen danach und das eindrückliche Schauspiel der Nacht hatte uns alle etwas demütig werden lassen.

Ein Föhnwind baute sich im Laufe der Nacht des 3. Oktober auf, liess die Biwaksäcke die ganze Nacht flattern und uns keinen richtigen Schlaf finden. Als wir auch am Morgen noch Acht geben mussten, dass keine Ausrüstung einfach davonfliegt oder eine der Windböen uns umwirft, zogen wir uns zum Ende dieser Saison doch noch erstmalig für’s Frühstück ins Notbiwak zurück.

Die Saison 2021 wird uns trotzdem gut in Erinnerung bleiben, sind wir doch im Schneeloch und Schneetöpfli einige gute Schritte und einige Meter Neuland vorangekommen. Die Nächte im Föhn und am Rande des Gewitters werden wir im Gedächtnis behalten und mit diesen Erfahrungen in die Saison 2022 gehen.

Bei der Höhlenforschung am Mären wirken seit einigen Jahren beständig Teilnehmer des DAV aus der Höhlengruppe der Sekton Heidelberg vielseitig und tatkräftig mit. Diesem Engagement ist in den vergangenen Jahren ein wesentlicher Beitrag zur Höhlenforschung auf dem Mären zu verdanken.

Text: Th. Huber

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